Träume aus der Tiefe

Träume aus der Tiefe

Mit verträumten Blick schaute ich aufs Meer hinaus. Weit und breit nur das Wasser und der blaue Himmel. Kein Schiff, kein Boot, keine Menschen. Ringsherum war es still. Nur die kleinen Wellen rauschten leise heran und umspülten sanft meine nackten Füße, die im nassen Sand ein wenig versanken. Das Licht der Sonne schien hinter mir, so dass es mir den Blick nicht allzu sehr verschleierte. Dennoch fühlte ich mich somnambul und meine Sicht verklärt. Ich war wie in einem Trancezustand und es wirkte alles so surreal. Aber ich stand hier am Wasser. Trotz meines verträumten Blicks, sah ich deutlich den unendlichen Ozean vor mir. Ich spürte förmlich den Sand unter meinen Füßen. Der Wind strich sanft über meine Haut. Das Meer rauschte leise und die Wellen tanzten sachte heran und umspülten abermals meine Zehen. Es fühlte sich so unwirklich an, und dennoch nahm ich alles so deutlich wahr, dass dies alles real sein musste.

Ich drehte mich herum und schaute zum Strand hinauf. Ein Meer aus grüner Vegetation breitete sich vor mir aus. Davor erblickte ich eine kleine Hütte. Windschief, wettergegerbt und vom Sturm gebeutelt. Dennoch hielt das kleine Häuschen stand. Aber dorthin wollte ich nicht. Noch nicht.

Ich wandte mich wieder dem Ozean zu und beobachtete die tanzenden Wellen. Die Sonnenstrahlen reflektierten auf der wiegenden Oberfläche und brachten meine Augen zum Glitzern. Und während ich hinaussah, nahm ich weit draußen eine Bewegung wahr. Ich schirmte meine Augen ab und verfolgte die Bewegung. Etwas Dunkles schwamm heran. Als es nah genug war, durchbrach eine große Flosse die Wasseroberfläche. Ein gewaltiger Kopf tauchte auf und ein sanftes Auge blickte mich neugierig an. Tatsächlich war es ein Wal. Er winkte mir mit seiner Flosse zu. Ich hob meine Hand und winkte zurück. Der Wal schwamm majestätisch hin und her. Immer wieder tauchte er auf und sah zu mir herüber. Ich konnte es ganz deutlich erkennen, dass er mich ansah. Was möchte er von mir? Wieder winkte er mir zu, als ich erkannte, dass er mich zu sich heranwinkte. Sollte ich tatsächlich zu ihm hinausschwimmen? – Noch einmal schaute ich zur Hütte zurück, drehte mich endgültig wieder um und watete langsam ins Wasser. Noch war ich mir etwas unsicher. Aber ich spürte das Vertrauen, dass der Wal ausstrahlte. Seine Augen, mit denen er immer wieder zu mir schaute, gaben mir den Mut und die Sicherheit, so dass ich mich wagte, hinauszuschwimmen.

Ich schwamm dem Wal entgegen. Die Wellen trugen mich mit Leichtigkeit ins Meer hinaus. Bald war ich nahe an ihn heran. Sein imposanter Körper ragte vor mir auf. Ich strich über seine pockige, graue Haut. Es war ein berauschendes Gefühl. Der Wal tauchte etwas hinab, so dass ich seine Rückenflosse greifen konnte. Dann schwamm er los und zog mich in die Tiefe.

Lautlos glitten wir durch eine Welt der Stille. Meine Hand rutschte allmählich von seiner Flosse ab und ich merkte, dass ich problemlos mit dem riesigen Wal nebenher schwimmen konnte. Ein paar mal schaute ich hinauf. Ich sah das gleißende Licht, das die flimmernde Wasseroberfläche durchbrach. Bald sollte ich wieder hinauf. Ich wusste nicht, wie lange ich die Luft anhalten konnte.

„Hab keine Angst,“ sprach der Wal plötzlich zu mir. Nein, er sprach nicht, sondern ich konnte ihn in meinem Kopf hören. Dann stieß er eine Luftblase aus, die aus seinem gigantischen Maul glitt und auf mich zueilte. Die Blase umhüllte mein Gesicht und ich atmete die Luft ein. Nun spürte ich, dass ich genug Luft hatte, um weiter zu tauchen. Seine Augen blickten mich freundlich an. Er gab mir weiterhin Zuversicht und Sicherheit.

Wir schwammen unmerklich immer weiter in die Tiefe hinab. Das Blau wich immer mehr und wechselte ins Graue. Bald waren wir von tiefer Dunkelheit umgeben. „Hier unten auf dem Meeresgrund kannst du deine Träume sehen,“ hörte ich ihn wieder. „Welche Träume?“ fragte ich. „Meinst du meine unerfüllten Träume? Dinge, die ich mir wünsche? Oder nur Träume, die man träumt?“ „All deine Träume findest du hier. Deine Wünsche und Sehnsüchte. Deine Bedürfnisse und Ziele. Deine Visionen und deine Zukunft.“

Ich war neugierig. Und wir schwammen kontinuierlich weiter in die dunkle, stille Tiefe hinab. Als ich auf einmal viele kleine Lichterpunkte wahrnahm, die wie Sterne in der Nacht aussahen. Immer mehr Lichter tauchten auf und ich fühlte mich, als würde ich durch das Universum fliegen. War es eine Stadt am Meeresgrund? Eine neue Welt aus vielen Lichtern? Fasziniert schwamm ich darauf zu, als ich erkannte, dass es Quallen waren. Riesige leuchtende Quallen, die lautlos an uns vorbei glitten und in der Dunkelheit wieder verschwanden.

Weiter schwammen wir schweigend nebeneinander her. Unaufhörlich glitten wir immer weiter hinab. Plötzlich stob ein kleiner Schwarm glitzernde Fischlein heran. Neugierig flitzten die um mich herum wie in einem wirbelnden Tanz. Auch die verschwanden und zogen weiter.

Ich fühlte mich so frei und unbeschwert. Ich könnte ewig so dahin schwimmen in dieser weiten Endlosigkeit, wo alles Leben ewig schwieg. Und dennoch fühlte sich alles so lebendig an, eine Stille, die sich beruhigend auf mich auswirkte.

Und dann sah ich es. Ein Meer aus lumineszierender Pflanzen. Dort unten am Meeresgrund war der Boden bedeckt wie ein leuchtender, wabernder Teppich aus Millionen von Pflanzen, Plankton, Korallen, Algen, Tang und Seegras. Sie bewegten sich im gleichen Takt sanft hin und her. Als tanzten die nach einer, mir nicht hörbaren, Musik. Der Wal schwebte auf einer Stelle. Seine sanften Augen blickten mich wieder an. „Hier ist es. Hier sind deine Träume verborgen.“

Ich schwamm hinein ins leuchtende Pflanzenmeer. Und mit jeder Berührung, tauchte plötzlich eine Blase empor. Es war faszinierend anzusehen. Immer mehr Luftblasen stiegen hinauf. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind, so frei und unbeschwert, dass begeistert den Seifenblasen hinterherschaut. Doch dann sah ich es. Es waren nicht nur kugelige Lufträume. Diese runden, schimmernden Blasen waren gefüllt. Gefüllt mit all meinen Träumen, unerfüllten Wünschen, all meinen Sehnsüchten. „Da sind die!“ rief ich freudig. Dabei verließ mein Mund auch eine Luftblase, die sofort mit den anderen aufstieg. Ich schwamm wie ein fröhlich beschwingter Fisch im Wasser umher. Ich stupste jede Pflanze an und ließ all die vielen Luftblasen aufsteigen. Ich wog mich im gleichen Rhythmus der leuchtenden Pflanzen. Wir waren nun eins, verschmolzen miteinander im Lichtermeer.

Ewig wäre ich frei, sorglos und losgelöst von allem weitergeschwommen. Doch der Wal glitt lautlos über mir her. Darauf bedacht, mich nicht zu verlieren. Er holte mich wieder zurück aus meinem Traumschwimmen. Ich war wie betäubt, als hätten die leuchtenden Pflanzen eine narkotische Wirkung auf mich. Wehmütig stieß ich mich vom Meeresboden ab und schwamm auf den Wal zu. Er bot mir wieder seine Flosse an, an der ich mich festhielt. Ich wusste, dass wir wieder zurück mussten.

„Es war wunderschön,“ sprachen meine Gedanken. Der Wal, der mich verstand, zwinkerte mir liebevoll zu. „Du kannst all deine Träume in Wirklichkeit umsetzen. Aber wenn alle Träume erfüllt werden, welche hat man dann noch? Um glücklich zu sein, muss man nicht alle Wünsche erfüllen. Denn Träume sind dafür da, um dem Leben einen Sinn zu geben. Zu wissen, wofür man lebt. Und so kannst du Stück für Stück dir immer einen kleinen Traum erfüllen. Behalte dir immer die Möglichkeit, dass deine Träume wahr werden könnten. So bleibt dein Leben immer interessant. Und die Neugier darauf, was wird und werden kann. So lange du träumen kannst, bist du reich. Denn wer keine mehr hat, für den verliert der ganze Sinn des Lebens und wird mit einer Leere gefüllt.“

Ich fühlte mich so dankbar. Mein Inneres war nun angereichert mit Liebe und Zufriedenheit. So ausgeglichen hatte ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.

Langsam schwammen wir hinauf, dem flimmernden Licht entgegen. Allmählich drang das Tageslicht zu uns herab, dass glänzend durch die widerspiegelnde Wasseroberfläche brach. Die Sonne schien noch hell am Himmel. Und gemeinsam stießen wir durch die flirrende Grenze zwischen Wasser und Luft. Tief atmete ich ein und der Wal stieß eine Wasserfontäne aus. Ich jauchzte laut lachend und verabschiedete mich wehmütig von ihm. Er winkte mir noch einmal zu, blickte mich ein letztes Mal mit seinem einen Auge an und verwand im Ozean. Auf dem Rücken liegend, ließ ich mich vom Meer treiben und blickte hinauf in den blauen Himmel. Die Wellen trugen mich sanft zum Strand hin. Lange blieb ich dort noch liegen. Dachte über alles nach und über die letzten Worte, die der Wal zu mir gesprochen hatte.

Dann wurde es Zeit zu gehen. Langsam stand ich auf, warf einen letzten Blick zum Meer hinaus und wandte mich der Hütte zu. Meine Füße stießen durch den warmen Sand und hinterließen meine Spuren. Ich öffnete die Tür und trat in die Hütte hinein. Dort stand ein gemütliches Bett, und wirkte so einladend, in dass ich mich augenblicklich erschöpft hineinfallen ließ. Und ehe ich mich versah, war ich eingeschlafen.

Nach einem langen, ausgiebigen Schlaf erwachte ich zu Hause in meinem eigenen Bett, in meiner Wohnung mitten in der Stadt, wo das pralle und laute Leben herrschte. Ich setzte mich auf, rieb den letzten Schlaf aus meinen Augen und erinnerte mich an den freundlichen Wal. Ich konnte noch seine Worte in meinem Kopf wahrnehmen und wusste noch jeden Satz. Ich fühlte das Meersalz auf meiner Haut und meine sandigen Füße. Das auf-und abschwellende Geräusch vom Straßenkrach ließ mich an das Meeresrauschen erinnern. Ich legte mich wieder hin, kniff die Augen ganz fest zusammen, in der Hoffnung, wieder am Meer zu liegen. Aber das klappte nicht mehr.

Daraufhin schwang ich meine Beine aus dem Bett, erinnerte mich an meine Luftblasen, die aufgestiegen waren und wusste nun, was zu tun war.

Entfliehen der Realität

Waiting for the Night

Manchmal, für so kleine Momente, da packt mich die Panik. Die sitzt wie ein Knoten im Bauch, der plötzlich platzt. Dann möchte ich einfach nur wegrennen, rennen, rennen, nur noch fort. Oder mich ganz klein machen und verkriechen, zusammenrollen, wie eine Schnecke.

Aber wie soll man vor etwas Unsichtbaren entfliehen? Man sieht es nicht und ist nicht greifbar. Und dann denke ich mir, dass ich Dem nicht entfliehen kann. Was bringt das alles, wenn die Angst mir selbst im kleinsten Winkel der Welt hinterher kriecht? Die findet mich sowieso.

Also, stelle ich mich der. Ich biete ihr die Stirn. Mir kannst du nix! Ich lebe, ich atme und ich funktioniere weiter. Die Kinder brauchen mich. Meine Omis und Opis brauchen mich. Menschen, die dem unsichtbaren Feind noch hilfloser ausgeliefert sind.

Ich halte nicht still und mache weiter. Ich lächle, und ich bin zuversichtlich und gebe all denen neue Kraft und daraus schöpfe ich mir meine neue Kraft. Denn wenn sie glücklich sind, bin ich es auch.

Aber manchmal möchte ich trotzdem der Realität entfliehen. Und das tue ich auch. Zuflucht in der Ruhe und Stille, frei von meinen finsteren Gedanken, keine Musik, keine Filme und keine Nachrichten, die mich wie ein Sog in einem Strudel des Unglücklichen hineinsaugen.

Und das ist abends, wenn die Dämmung hereinbricht. Dann nehme ich mir ein Roman zur Hand und entfliehe der Wirklichkeit und tauche hinein in eine andere Welt. Von nichts mehr lasse ich mich davon abbringen, meine Gedanken schiebe ich ganz weit weg. Es dauert nicht lange, ich schlafe selig ein und flüchte in meinen Träumen. Träume, die nichts mit unserer Welt gemeinsam haben. Dort komme ich zur inneren Ruhe und schöpfe neue Kraft für den neuen Tag.

Was werden die nächsten Tage bringen? Manchmal setzt sich das kleine pessimistische Teufelchen auf meine Schulter. Speist meine Gedanken finster ein. Die Welt wird vor die Hunde gehen. Alle werden sie sterben. Werde ich auch qualvoll sterben? Oder bin ich am Ende eine der letzten Überlebenden, voll Trauer und Schmerz? Die Welt geht in die Brüche, nichts wird mehr funktionieren. Wir werden um unsere nackte Existenz kämpfen müssen. Jeder ist sich selbst der nächste….

Dann kommt das kleine optimistische Engelchen, dass spricht mir Mut zu. Du hast zu viele apokalyptische Romane gelesen, lacht es. Du kannst an der Situation nichts ändern. Finde dich damit ab und mache das Beste daraus. Es werden Veränderungen stattfinden. Die Welt befindet sich ohnehin in einem stetigen Wandel. Wandel dich mit und sei zuversichtlich. Denke daran, du wirst gebraucht. Du machst das gerne und es erfüllt dich. Du bist ein kleiner Teil dieser großen Welt. Zwar nur ein kleines Rädchen, aber kein Rädchen soll zum Stillstand kommen, denn sonst halten am Ende alle Räder still.

Und so mache ich weiter, und weiter. Das Leben geht weiter, ein Kommen und Gehen. Bleibe fröhlich und lustig. Lasse mir nichts nehmen, was mir gut tut und tue anderen gut. Man sollte immer daran denken: Das Leben ist viel zu kurz!

Und wenn dieser Tag rum ist, freue ich mich auf die Nacht…

I’m waiting for the night to fall
I know that it will save us all
When everything’s dark
Keeps us from the stark reality
I’m waiting for the night to fall
When everything is bearable
And there in the still
All that you feel is tranquillity
There is a star in the sky
Guiding my way with its light
And in the glow of the moon
Know my deliverance will come soon
I’m waiting for the night to fall
I know that it will save us all
When everything’s dark
Keeps us from the stark reality
I’m waiting for the night to fall
When everything is bearable
And there in the still
All that you feel is tranquillity
There is a sound in the calm
Someone is coming to harm
I press my hands to my ears
It’s easier here just to forget fear
And when I squinted
The world seemed rose-tinted
And angels appeared to descend
To my surprise
With half-closed eyes
Things looked even better
Than when they were open
Been waiting for the night to fall
I knew that it would save us all
Now everything’s dark
Keeps us from the stark reality
Been waiting for the night to fall
Now everything is bearable
And here in the still
All that you feel is tranquility

Jesus, eine erfundene Geschichte

Pixabay

Wäre Jesus nicht geboren, gäbe es kein Weihnachten. Was wäre dann? Wie alt wäre Jesus heute? 2019 Jahre plus diese widersprüchlichen Zeitrechnungen.

Er wurde im kalten Winter in einem Stall geboren, vielleicht sogar im Sommer, man weiß es nicht. Sterben musste er qualvoll ans Kreuz genagelt, gepiesackt und blutend mit einer Dornenkrone auf seinem Haupte gedrückt.

Vielleicht alles eine große Inszenierung?

Jahrtausende Überlieferungen, immer weitererzählt, wie bei einer stillen Post, hinzugedichtet, weggelassen, geändert, neu aufgeschrieben, alles voller Widersprüche, und niemand weiß, was nun wahr ist an der Geschichte.

Aber egal! Ja, es ist völlig egal, ob Jesus nur erfunden wurde, oder er wirklich gelebt hat, und am Ende sich dem Martyrium ausgesetzt hat, um sich selbst zu kasteien. Leid und Schmerz erfahren hat, um uns Menschen aufzurütteln. Über Tausende von Jahren werden wir immer wieder aufgerüttelt. Eine so uralte Geschichte, an die sich bis heute jeder klammert.

Wenn man mal überlegt, all die Menschen, die der Geschichte ihre eigene Würze beimischten, wieso haben sie das getan? Und wurde die Geschichte um Jesus grausamer oder unschöner? Nein, nur verworren, aber sie wurde ausgeschmückt mit dem Ziel der Nächstenliebe.

Bis heute hält sich jeder daran, wenigsten einmal im Jahr näher zusammenzurücken, einander zu denken, jedem von sich etwas zu geben, ein kleines Geschenk, ein Stück Leben und Liebe und Licht. Den Armen etwas zu geben, den Schwachen zu helfen, jeder der Hilfe benötigt, man ist für alle da. Jeder wacht nun einmal im Jahr auf, um etwas zu geben, an Dinge zu denken, die im Alltag untergehen. Alles Böse wird vergraben und man hat sich einfach nur lieb.

Das ist es, was weitergeben wurde. Nicht zu vergessen, was Nächstenliebe ist. Egal ob Jesus jemals gelebt hat oder nicht, oder irgendjemand diese Geschichte erfand. Die hatte einfach nur einen einzigen Grund.

Und selbst in den nächsten weiteren Tausend Jahren, wird der letzte Mensch auf Erden einmal im Jahr ein Bäumchen aufstellen und ein Lichtlein anzünden, auch wenn er nicht weiß, ob Jesus jemals existiert hat. Eine uralte Tradition, die bis zum letzten Atemzug unserer Erde wohl bestehen bleiben wird.

Meine Gedanken so dahin gedacht

Ein Wochenende… 

…mit Gott. 

Jou, den würde ich auch gerne mal mit ihm verbringen. Zumal ich eines Nachts um Gottes Haus herumgeflogen war. Was heißt Haus! Es war ja kein Haus in diesem Sinne. Ich konnte es ja nicht mal sehen. Ich flog durch das Universum und fand es einfach so. Da war in der Schwärze eine Schwärze, Dunkelheit verband sich mit der Dunkelheit, und dort flog ich rundherum. Aber Gott hat mich nicht eingelassen. Ich fand den Eingang nicht. Warum auch immer? Ich war wohl noch nicht soweit. Enttäuscht war ich aufgewacht. 

In einer anderen Nacht träumte ich, wie ein kleiner Mann, so groß wie ich, schwarze Haare, dunkler Schnauzbart, mich zu einem Steg führte. Dort legten wir uns hin und starrten in den Sternenhimmel. Wie eine dunkle Scheibe mit vielen blinkenden Pünktchen breitete sich das Universum über mich aus und begann sich zu drehen, bis es mir fast schwindlig wurde. Und dennoch war es so schön und unglaublich. 

Und als ich diesen Auszug las, erinnerte ich mich wieder an diesen Traum: 

Sie gingen ein gutes Stück auf den Steg hinaus und legten sich rücklings auf die Holzplanken. Dass dieser Ort so hoch im Gebirge lag, ließ den Himmel umso großartiger wirken. Mack staunte über die Anzahl der Sterne und die Klarheit, mit der sie hier zu sehen waren. Jesus schlug vor, die Augen für ein paar Minuten zu schließen und abzuwarten, bis die letzten Reste der Abenddämmerung gewichen waren und völlige Nacht herrschte. Mack war einverstanden, und als er seine Augen schließlich wieder öffnete, war der Anblick so überwältigend, dass ihm ein paar Sekunden lang schwindelig wurde. Er hatte beinahe das Gefühl, in den Weltraum hineinzufallen, so als rasten die Sterne ihm entgegen, um ihn zu umarmen. Er streckte die Hände aus und stellte sich vor, er könnte Diamanten, einen nach dem anderen, aus dem samtschwarzen Himmel pflücken. »Wahnsinn!«, flüsterte er. »Unglaublich!«, flüsterte Jesus…. 

-die Hütte-Ein Wochenende mit Gott-

Der Film war total schön. Am Ende musste ich sogar fast ein Tränchen wegwischen. Und nun war ich neugierig auf den Roman und lese das zur Zeit. 

Und nein, falls ihr denkt ich bin total gottesgläubig, bin ich nicht. So aus einer anderen Perspektive betrachtet, würde ich sagen, es ist wie Zwiesprache mit sich selbst. In sich gehen und sich seinem Selbst gegenüber sitzen und auf die Fragen Antworten zu finden. Wie als wäre dein Ich ein guter Freund oder Freundin, die dich um Hilfe bittet. Dann findet man immer eine Antwort. 

Das Licht und die Dunkelheit 

Aus dem Nichts bin ich entstanden. Aus dem Nichts habe ich mich selbst erschaffen. Das Nichts ist nicht, was nicht ist. Es ist die Ewigkeit. Dort ist das Licht und die Dunkelheit. 

Aber das versteht dein kleines begrenztes, menschliche Gehirn nicht. Für dich ist es unvorstellbar und unmöglich. Für dich gibt es ein Anfang und ein Ende. Die Unendlichkeit geht über dein Vorstellungsvermögen hinaus. 

Ich bin das große Nichts. Ich existiere nicht und bin dennoch da. Man kann mich nicht sehen und berühren. Ich bin unendlich, ich bin das Licht und die Dunkelheit. 

Für alles gibt es ein Gegenstück. Dort wo es die Helligkeit gibt, gibt es die Finsternis. Dort wo Liebe ist, ist der Hass. Und wo die Hitze des Feuers lodert, herrscht eisige Kälte. Dort wo Leben ist, ist der Tod.  

Komm mit du kleines Menschlein, ich zeige dir die Unendlichkeit. Du glaubst, das Universum erscheint so riesig, das man meinen möchte, es ist unendlich. Aber nichts kann unendlich sein, und willst glauben, dass das weite All eine Grenze besitzt. Komm, flieg mit mir, fliegen wir zum Rand des Universums. 

Sieh dir all die Planeten an, all die Sterne, Kometen, Meteoriten und Sonnen. Es gibt Abermillionen unendlich viele davon. Allein die Milchstraße, wie ihr sie gerne nennt, sieh nur wie groß diese ist. Wie sie sich dreht und windet, langsam und gemächlich. Glaubst du, das hatte alles ein Gott erschaffen, hat seine riesigen Arme ausgebreitet wie ein Zauberkünstler? Der Gott, der hoch droben auf seinem Wolkenthron sitzt und zu euch herabblickt? Etwas was man nicht sehen und fühlen kann, das Licht und Dunkelheit in sich birgt. Bin ich das? Ihr gebt für alles einen Namen. Und ich bin Gott? Ich bin das Nichts!

Lass uns weiter fliegen, fühle und sehe, wie alles an dir vorbei rauscht. Die Milchstraße ist nun weit weit hinter uns. Die Sonne nur noch ein Punkt, die sieht jetzt aus wie ein weit entfernter Stern, der funkelt. Um dich herum ist nichts, was dir bekannt ist. Planeten und Sterne entstehen und andere explodieren vor deinen Augen. Gesteinsbrocken rasen mit enormer Geschwindigkeit an uns vorbei, grelle, heiße Funken sprühen um uns herum. Trostlose tote Planeten aus Gestein rotieren vor sich hin. Hab keine Angst, dir wird nichts geschehen. 

Und nun umhüllt uns die ewige Dunkelheit. Alles haben wir hinter uns gelassen. Wir fliegen mitten durch die dunkelste Schwärze hindurch, wo alles Licht verschluckt wird. In das finstere Nichts. Ich bin die Dunkelheit. 

Sieh nur, dort kommt eine gigantische Spiegelwand auf uns zu. Es spiegelt unser Universum. Kannst du dich selbst darin sehen? Nein, du siehst dich nicht. Du bist eine Seele in der Unendlichkeit. Eine Seele kann man nicht sehen. Dein Körper ist nur ein Gefäß, was du auf der Erde zurückgelassen hast. Ein Gefäß, wie eine Glühbirne, die leuchtet. Und wenn diese zerbirst, ist das Licht erloschen, aber nicht der Strom, der darin fließt. Der Strom ist wie die Seele, dass du nicht sehen kannst, nur wenn es ein Gefäß oder feste Materie besitzt, dann kannst du es leuchten sehen. Die Seele ist das Licht. 

Lass uns hinter den Spiegel des Universums schauen. Was glaubst du, was du sehen wirst? Das Gegenteil von der Dunkelheit? Das weite, weiße Licht? Die grelle Helligkeit, die dich fast zum Erblinden bringt? Schau nur nach, flieg mit mir hinein. Vielleicht siehst du andere Farben, Farben, die du nie gesehen hast, die nicht in deiner Vorstellungskraft existieren und nicht benennen kannst. Flieg mit mir ins helle Licht. Ich bin das Licht.

Du hast gedacht, hier ist das Ende des Universum. Kannst es berühren wie eine Membran. Dein Kopf hindurchstecken und andere Universen erblicken, die wie Seifenblasen aneinander haften. Nichts von alledem ist dies so. Hier in der unendlichen Weite der Helligkeit leben die Seelen. Hier aus dem Licht kommen sie, fliegen weit zu anderen Orten, suchen sich Planeten und Sonnen. Sie können weder verbrennen noch erfrieren. Sie müssen nicht atmen und ersticken nicht. Sie sind hier so frei und alles ist im Licht der Liebe getaucht. 

Lass uns in diesem Lichte baden, nimm die Wärme und Güte in dir auf. Lass allen Schmerz des irdischen hinter dir. Sei eins mit dem Licht und mit dir. Du hast nur diesen einen Moment. Denn wirst zurückkehren müssen, zu deinem körperlichen Gefäß. So wie viele andere Seelen es hier auch tun. Sie sind auf der Suche nach einer festen Materie, nach einer Begrenzung und Schwerkraft.

Dann reisen sie Richtung Erde, der einzige Planet im gesamten Universum auf dem Leben herrscht. Hast du wirklich geglaubt, es gäbe noch anderes Leben? Kannst du es nicht fassen, in deinem winzigen kleinen Gehirn, dass ihr die einzigen in der großen Ewigkeit seid? Du denkst, irgendwo muss doch noch anderes Leben existieren? Nein! Es gibt keine weitere Erde, ihr seid die einzigen dort. Einzig und allein, so winzig und unbedeutend. 

Was meinst du, was nach dem großen Licht kommt? Ist es nun das Ende? Komm, du Winzling, flieg mit mir weiter. Und sieh, wohin wir reisen. Sieh dich um, und fühle wie du durch die Ewigkeit rast, schneller als das Licht selbst und dann plötzlich, bist du wieder von Dunkelheit umgeben. Die ewige Finsternis. Die tiefe Schwärze, die dich umgibt. Du siehst nichts. Ich bin die Dunkelheit. Ich bin das Nichts. 

Fühlst du das? Spürst du es? Wie ein warmer Atem, der um dich fließt. Das sind die Seelen der Dunkelheit. Sie suchen die Helligkeit, sie schweben durch das ewige Dunkle, wie Motten  zum Licht. Jede Seele ist einer Prüfung unterzogen. Sie können fallen und aufsteigen. Es ist ein Prozess. Es hält alles im Gang. Das Universum hat keine Anfang und kein Ende. Es ist in sich selbst geschlossen. Es atmet ein und wieder aus. Du kannst fliegen und schweben bis in alle Ewigkeit, es ist ein Kreislauf, der sich immer wieder schließt, der sich dreht und rotiert. Du wirst weder das Ende noch den Anfang finden. 

Flieg zurück, werde wieder eins mit deinem Körper. Du bist nur ein winzig kleines Menschlein, du bist nur ein Atom im gesamten Universum. Du bist ein Nichts. So unbedeutend in diesem gigantischem Universum. Verweile auf deiner Erde, unterliege die Schwerkraft, erleide Schmerzen, Freude, Liebe, Leid…lebe und sterbe. 

Vergiss nicht deine innere Mitte, denn dort sitzt deine Seele. Du bist nur ein Gefäß, das geboren wurde, eine Eigendynamik entwickelt, fortlebt mit den menschlichen Gedanken im begrenzten Gehirn. Aber vergiss nicht die Seele, die zu dir schreit, achte auf sie, hege und pflege sie. Viele glauben nicht daran, auch wenn sie die innere Stimme hören, sind sie der Meinung, es ist der eigene Gedanke, der Zwiegespräch mit dir führt. 

Flieg zurück, du kleines Nichts, reise zurück durch die weite Zeitlosigkeit. Durch Licht und Dunkelheit. Kehre heim an deinem Ort. Ich bin nicht Gott, ich bin kein Engel. Ich bin nicht die Überseele, weder Himmel noch Hölle. 

Ich bin das Nichts!

Ich bin das Licht und die Dunkelheit….