Entfliehen der Realität

Waiting for the Night

Manchmal, für so kleine Momente, da packt mich die Panik. Die sitzt wie ein Knoten im Bauch, der plötzlich platzt. Dann möchte ich einfach nur wegrennen, rennen, rennen, nur noch fort. Oder mich ganz klein machen und verkriechen, zusammenrollen, wie eine Schnecke.

Aber wie soll man vor etwas Unsichtbaren entfliehen? Man sieht es nicht und ist nicht greifbar. Und dann denke ich mir, dass ich Dem nicht entfliehen kann. Was bringt das alles, wenn die Angst mir selbst im kleinsten Winkel der Welt hinterher kriecht? Die findet mich sowieso.

Also, stelle ich mich der. Ich biete ihr die Stirn. Mir kannst du nix! Ich lebe, ich atme und ich funktioniere weiter. Die Kinder brauchen mich. Meine Omis und Opis brauchen mich. Menschen, die dem unsichtbaren Feind noch hilfloser ausgeliefert sind.

Ich halte nicht still und mache weiter. Ich lächle, und ich bin zuversichtlich und gebe all denen neue Kraft und daraus schöpfe ich mir meine neue Kraft. Denn wenn sie glücklich sind, bin ich es auch.

Aber manchmal möchte ich trotzdem der Realität entfliehen. Und das tue ich auch. Zuflucht in der Ruhe und Stille, frei von meinen finsteren Gedanken, keine Musik, keine Filme und keine Nachrichten, die mich wie ein Sog in einem Strudel des Unglücklichen hineinsaugen.

Und das ist abends, wenn die Dämmung hereinbricht. Dann nehme ich mir ein Roman zur Hand und entfliehe der Wirklichkeit und tauche hinein in eine andere Welt. Von nichts mehr lasse ich mich davon abbringen, meine Gedanken schiebe ich ganz weit weg. Es dauert nicht lange, ich schlafe selig ein und flüchte in meinen Träumen. Träume, die nichts mit unserer Welt gemeinsam haben. Dort komme ich zur inneren Ruhe und schöpfe neue Kraft für den neuen Tag.

Was werden die nächsten Tage bringen? Manchmal setzt sich das kleine pessimistische Teufelchen auf meine Schulter. Speist meine Gedanken finster ein. Die Welt wird vor die Hunde gehen. Alle werden sie sterben. Werde ich auch qualvoll sterben? Oder bin ich am Ende eine der letzten Überlebenden, voll Trauer und Schmerz? Die Welt geht in die Brüche, nichts wird mehr funktionieren. Wir werden um unsere nackte Existenz kämpfen müssen. Jeder ist sich selbst der nächste….

Dann kommt das kleine optimistische Engelchen, dass spricht mir Mut zu. Du hast zu viele apokalyptische Romane gelesen, lacht es. Du kannst an der Situation nichts ändern. Finde dich damit ab und mache das Beste daraus. Es werden Veränderungen stattfinden. Die Welt befindet sich ohnehin in einem stetigen Wandel. Wandel dich mit und sei zuversichtlich. Denke daran, du wirst gebraucht. Du machst das gerne und es erfüllt dich. Du bist ein kleiner Teil dieser großen Welt. Zwar nur ein kleines Rädchen, aber kein Rädchen soll zum Stillstand kommen, denn sonst halten am Ende alle Räder still.

Und so mache ich weiter, und weiter. Das Leben geht weiter, ein Kommen und Gehen. Bleibe fröhlich und lustig. Lasse mir nichts nehmen, was mir gut tut und tue anderen gut. Man sollte immer daran denken: Das Leben ist viel zu kurz!

Und wenn dieser Tag rum ist, freue ich mich auf die Nacht…

I’m waiting for the night to fall
I know that it will save us all
When everything’s dark
Keeps us from the stark reality
I’m waiting for the night to fall
When everything is bearable
And there in the still
All that you feel is tranquillity
There is a star in the sky
Guiding my way with its light
And in the glow of the moon
Know my deliverance will come soon
I’m waiting for the night to fall
I know that it will save us all
When everything’s dark
Keeps us from the stark reality
I’m waiting for the night to fall
When everything is bearable
And there in the still
All that you feel is tranquillity
There is a sound in the calm
Someone is coming to harm
I press my hands to my ears
It’s easier here just to forget fear
And when I squinted
The world seemed rose-tinted
And angels appeared to descend
To my surprise
With half-closed eyes
Things looked even better
Than when they were open
Been waiting for the night to fall
I knew that it would save us all
Now everything’s dark
Keeps us from the stark reality
Been waiting for the night to fall
Now everything is bearable
And here in the still
All that you feel is tranquility

16 Antworten auf „Entfliehen der Realität

  1. Alle werden sie sterben.

    Das ist die einzig sichere Konstante auf dieser Welt. Wir müssen alle einmal sterben.
    Doch bis dahin lassen wir es krachen, na ja machen wir halt das Beste daraus. Schöne Sonntagsgrüße zu Dir und vertreibe die trüben Gedanken. Die ziehen einen nur runter.

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    1. Da kommen wir nicht drumherum.
      Ohne trübe Gedanken, außer trübes Wetter, wünsche ich dir auch einen schönen Sonntag. Perfektes Wetter, um zu Hause zu bleiben. 😃👋🏼

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  2. Liebe Co.Rona!

    Beim Lesen bekam ich eine Gänsehaut!

    Nicht jeder Mensch kann seine Gedanken, so wie du es tust, nach Außen tragen.
    Es ist sehr schwer auf deine Worte noch etwas zu finden, das noch einen Sinn machen könnte.
    Du hast das ausgesprochen was viele zwar empfinden, jedoch nur im hintersten Dachstübchen, mit sich herumtragen.

    Ich versuche einmal meine Gedanken dazu auszudrücken.
    Auch ich habe Angst, aber nicht um mich. Ich habe mein Leben gelebt.
    Mir wird nur Bange wenn ich an die Kinder denke. Die Kinder die gerade mal ihr Leben begonnen haben. Sie, die bisher noch nichts von der Schönheit des Lebens erfahren durften.
    Kinder, die jetzt nicht einmal mehr zum Lernen in die Schule gehen können. Die nicht mit Altersgenossen im Freien toben können. Keinerlei Erfahrungen aus dem Umgang mit anderen Menschen machen können.

    Dann die alten und kranken Menschen, die in ihren Wohnungen nur noch ein einsames und trostloses Leben verbringen. Die, die sozusagen schon lebendig begraben sind. Die nur noch vor sich hin dümpeln und auf die Erlösung warten. *Das ist nicht auf meinem Mist gewachsen*. Das sind Aussagen von Menschen, die niemanden mehr haben. Aber das brauche ich dir ja nicht zu erläutern. Du erlebst das sicher täglich. Selbst du kannst nur für eine kleine Zeit etwas Sonnenschein zu den Menschen bringen.
    Das war vor Corona auch schon ein großes Problem – nur hat es sich durch diesen Virus extrem verstärkt.

    Die Kontaktverbote und Sicherheitsvorkehrungen – sind wichtig. Die möchte ich auf keinen Fall infrage stellen.

    Liebe Co.Rona, ich denke wir alle haben ein kleines Engelchen und ein Teufelchen auf unseren Schultern zu sitzen.
    Die uns das eine oder andere ins Ohr flüstern. Am Ende zählt doch nur das was wir daraus machen. Was wir dafür tun um die Maschinerie am laufen zu halten. Jedes noch so kleine Rädchen zählt.

    Viele liebe Grüße,
    Lilo

    Gefällt 2 Personen

    1. Du hast es auch wunderbar in Worten ausgedrückt. So ist es tatsächlich.
      Und nun kicken wir mal den pessimistischen Teufel weg. Denn ich hoffe sehr, dass das nur eine begrenzte Zeit ist, und das es nicht allzulange dauert. Dann können wir endlich alle wieder raus und uns an der neu gewonnenen Freiheit erfreuen.
      Hab einen schönen restlichen Sonntag. 🤗

      Gefällt 1 Person

  3. Liebe Co.Rona,
    Danke für den Einblick in Dein Innerstes.

    Du bist nicht allein!

    Ich habe auch Angst – vor dem was da noch alles kommt. Und ich meine nicht nur den Virus, sondern auch die Folgen danach.

    Aber wir müssen mutig sein und uns der „Sache“ stellen! Du sagst so schön Deine Omis und Opis brauchen Dich – und auch Denie Kids.
    Genau das treibt mich an, dass ich gebraucht werde und für andere etwas Gutes tun kann.

    Bleib gesund!

    Viele liebe Grüße
    Ann

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  4. Meine liebe Co.rona,
    ich mache es genau, wie du. Ich flüchte mich in mein Buch. Das mache ich auch auf Arbeit, wenn ich Pause habe. Ich lege einfach den Schalter um und entfliehe meinem Job und dem ganzen Drumherum für 10 oder 20 Minuten. Ich bin froh, dass ich das so kann – wie ein Automat. Genau so schnell switche ich wieder zurück, wenn die Pause um ist. Und von den Geräuschen um mich herum lasse ich mich auch nicht stören, wenn ich lese.
    Wenn es die Bücher nicht gäbe, das wäre wirklich schlimm.

    Ich mag dein Engelchen sehr gern. Es hat genau die richtige Einstellung. Meins auch. Aber es ist nicht immer fleißig und voll bei der Sache. Leider macht es sogar ziemlich oft einen schlechten Job und dallert einfach irgendwo in der Gegend rum. Dann kommt das Teufelchen hinter der Ecke vor und nutzt sofort die Gunst der Stunde…
    Aber vielleicht wissen ja nicht einmal diese beiden, was sie jetzt am besten machen, um uns in die für sie richtige Richtung zu lenken. Sie kennen sich mit der derzeitigen Situation vermutlich auch nicht aus.

    Ich denke, es ist gut, dass wir nicht wissen, was uns erwartet. Wir sollten uns auf das Schlimmste gefasst machen, aber auf das Beste hoffen. Wenn das doch nur einfacher wäre und es ein Handbuch dafür gäbe…

    Ich reiche dir meine Hand und greife nach deiner. Jetzt sind wir schon zwei und stärker als alleine. Wir lassen uns nicht unterkriegen. So doof es vielleicht klingen mag: Es ist trotzdem ein Trost, dass andere die gleichen Sorgen und Ängste haben und diesmal die ganze Welt betroffen ist – ohne Rücksicht auf Geld, Hautfarbe oder sonst irgendwas.

    Wenn hier unterm Strich nicht irgend etwas Gutes dabei rauskommt, dann haben wir Menschen es meiner Meinung nach auch nicht verdient. Wir müssen uns dieser Situation, Krise oder wie auch immer gemeinsam stellen und zusammenhalten. Das ist unsere einzige Möglichkeit.

    Ich drück dich, meine Liebe. 🤗

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