Abenteuer Hören

Damals, als ich noch sehr klein war, dachte meine Mutter, ich wäre stur.
Immer wenn sie mich rief oder ansprach, reagierte ich oftmals nicht.
„Mein Kind ist stur, sie will nicht hören“, sagte sie meist. Später brüllte sie mich sehr oft an.
Eines Tages sagte meine Tante (lebt leider nicht mehr) zu ihr, dass ich womöglich schlecht höre. „Ach quatsch, MEIN Kind doch nicht!“ Meine Mutter wollte das nicht wahrhaben.
Eines Tages machte sie doch einige Test mit mir, und stellte fest, dass ich tatsächlich nicht hörte. Nicht hören konnte.
Ich glaube da war ich so 4 oder 5 Jahre alt.
Sie ging dann mit mir zum Arzt. Eine Odyssee begann. Das war damals noch zu Ostzeiten, die Ärzte wussten alles
besser  und machten nichts richtig. So bei mir.
Dort schaute man einfach NUR ins Ohr. Alles in Ordnung, nichts kaputt.
Sie hat nur einen Sprachfehler. Meine Mutter musste dann zu einer Sprachtherapeutin, und diese nahm immer ein Blatt vor dem Mund, sprach und ich sollte ihr nachsprechen. Meine Mutter sagte ihr dann, dass das nichts
bringe, denn ich würde sie nicht verstehen, da ich von den Lippen ablese. Aber diese wusste es besser!!! :>
Und so kam es, dass ich vom normalen Kindergarten in den Sprachheilkindergarten kam. In einem Alter, wo ich normalerweise eingeschult worden wäre. So wurde ich ein Jahr zurückgestuft. 😦
In diesem KIndergarten stellten erst die Erzieher fest, dass ich nicht gut hören konnte. Deren Aussage: „Sie hat das verhalten eines hörgeschädigten Kindes!“ Wie ich diesen Satz heute noch schrecklich finde!!!!
Und dann endlich machten die Ärzte ein Audiogramm mit mir und stellten fest, das ich einen mittelgeradigen…äh… ja Hörschaden habe (lieber das als nen Dachschaden 😉 )
Und mit 6 Jahren bekam ich mein erstes Hörgerät. Eigentlich hätte ich ja froh sein sollen, aber ich fing an dieses Ding zu hassen und fragte mich immer wieder: Warum ich? Warum bin ich anders als die anderen?
Ich bekam zu meinen Schrecken auch noch so ein olles Gerät mit Schnur und Umhängetasche.

taschenhoergeraet

Damit konnte
man nicht spielen, toben oder klettern, Schweinebaumel (oder Affenschaukel?) machen, denn das Gerät rutschte mir immer aus dem Pulli raus und baumelte dann vor meinem Gesicht, oder ich blieb mit den Händen oft am Kabel hängen und riss mir immer dieses Ding aus dem Ohr. Wenn andere Kinder mich fragten was das
sei, sagte ich immer: “ Ich höre Radio.“ Man muss bedenken, in dieser Zeit gab es noch keine Walkmans. :))

Ich weiß aber noch, als ich eines Morgens aufwachte, mit diesem neuen Dings im Ohr, das Fenster öffnete und lauschte. Da rief ich erstaunt zu meiner Mutter: “ Mama! Hörst du auch die Vögel? “ Da wurde ihr erst klar, wie schlecht ich doch hörte und was ich alles nicht gehört hatte. Meine Ohren mussten dann alle
Geräusche neu kennenlernen.
Ich kam dann auch auf einer schwerhörigen Schule. Ich hätte auch auf einer normalen Schule gehen können, aber da ich viel zu still war, hielt meine Mutter dies für besser.
Irgendwann jammerte ich, das ich dieses Ding nicht mehr mag, es mir peinlich sei damit rum zu laufen und in meiner Klasse war ein Mädchen, die hatte so ein kleines hinterm Ohr.
Die nächste Odyssee begann. Man wollte mir solch ein Gerät nicht geben, denn wenn man tobt könnte man
dieses Gerät leicht verlieren. Meine Mutter bettelte händeringend, weil ich das so sehr wollte und sie mich wohl darin sehr gut verstand, und ich doch ein stilles Kind war, bekam ich endlich ein HinterOhrGerät.

hinterohr

Was war ich stolz! Von nun an trug ich das Gerät jeden Tag.
Ich weiß noch, als ich zu einer Freundin meiner Mutter in den Urlaub fuhr, nahm sie  mich abends mit raus, um die Grillen zirpen zu hören.
Das war wieder ein neues Erlebnis, als ich diese Insekten auch zum ersten mal hörte.
Es kam der Tag, als wir in den Westen flüchteten. Dort ging mein Onkel sofort mit mir zum Arzt und hoffte,  man könne da was machen, damit ich noch besser hören könne.
Geknickt und traurig habe ich die Praxis verlassen. Denn dort sagte man mir, ich brauche nicht ein Hörgerät, sondern zwei.
Es war schlimm für mich. Schlimm genug, überhaupt schlecht zu hören, hatte große Hoffnungen gehabt und nun sollte ich zwei davon tragen.
Man hatte mir erklärt, dass das nötig sei, da ich auf beiden Seiten gleich schlecht höre und wegen dem Gleichgewicht und bla bla….
Ich bekam also dann ein zweites dazu, also komplett neue, die waren ein Stück kleiner. Und auch dieses Hören war wieder ein neues Erlebnis für mich. Da ich ja nun auf beiden Seiten gleich laut hörte, war der Klang doch ganz anders. Ich hörte den Mantel meines Onkels rascheln. :)) Ja, ich konnte hören, wenn Stoff
auf Stoff rieb. Erstaunlich!
Es kam dann ein neues Zeitalter, die Digitalität.
Und die Hörgeräte wurden immer kleiner. Eines Tages betrat ich den Akkustikerladen und ließ mich beraten.
denn ich wollte das kleinste Hörgerät haben, was es damals zur Zeit gab.
Megateuer, aber ich wollte die, ich ließ mich davon nicht mehr abbringen, und diese waren auch Digitalisiert.

innenohr
Winzig klein, man sah die kaum, okay, bei mir sah/sieht man die doch, weil ich extrem kleine Ohren hab, da hatten oft die meisten Akkustiker ihre Probleme und wunderten sich, dass ich wirklich so kleine Ohren habe, dass die Geräte bei mir etwas sichtbarer sind, als bei jemand, der große Ohren hat, denn dort verschwinden die fast im Ohr. Welch neues Erlebnis war es wieder diesmal, als ich mit diesen neuen Dingern raus ging. Damals in Frankfurt lief ich über die Zeil, und all die Geräusche, Schuhgeklapper, Stimmengewirr aus allen Ecken und Kanten, und das aller tollste war, als ich ein Geldstück fallen hörte. Ja, ich hörte, wie das Geld auf dem Boden
klimperte. 😀
Und das ist bis heute so. Allerdings werde ich trotz alledem nie so hören können, wie ein Normalhörender, egal wie gut die Technik ist.
Und beim rumgoogeln habe ich eine Seite gefunden, die mich zum Schmunzeln gebracht hatte, weil die Leute dort genau das beschrieben, was ich zu gut kenne.
Wer mag, kann ja da mal rein lesen. HIER (allein die Kommentare dort sind amüsant)
Und wenn ich mal alt bin, sitze ich mit diesem Ding dann im Schaukelstuhl:

hohrrohr“ HÄÄÄÄ! WAS HAAST DUUU GESAAAGT??????“
geschrieben am 01.04.10

Und heute? Im Jahre 2016? Inzwischen habe ich wieder neue Geräte. Alle 6 Jahre darf man  laut Krankenkasse seine Hörgeräte austauschen. Schließlich verschleißen die mit der Zeit und lassen sich auch nicht mehr perfekt nachjustieren.

Die Geräte werden wirklich immer kleiner und kleiner und es gibt auch Fernbedienungen dazu und kannst klammheimlich deine Dinger in der Tasche leiser oder lauter stellen, oder abstellen, wenn einen was nervt. 😉

Jetzt trage ich wieder Hinterohrgeräte, so schicke, dem Haarton angepasst und mit schicken filigranen Mustern drauf. Ja, in allen Farben gibt es die. Und nächstes jahr glaube ich,kann ich mir wieder neue kaufen. Da ich mir immer Gute hole, muss ich daher auch viel draufzahlen, aber das ist es mir wert. Und dann will ich die allerallerkleinsten Innenohrgeräte. Denn hinterm Ohr stört das doch irgendwie, wenn ich die Haare hinters Ohr klemmen will, oder Haarreifen und manchmal, wenn ich die Lesebrille aufsetzen muss, dann kommt sich da hinterm Ohr alles ins Gehege. Und die rutschen manchmal auch raus. Das nervt einfach!

 

Der Haftbefehl

Beim Rumsuchen in meinen alten Blogeinträgen aus Blog.de Zeiten, die ich mir in PDF Dateien abgespeichert habe, stieß ich auf diesen Eintrag und amüsierte ich mich köstlich über mich selbst. Wenn ich diesen Morgen nicht in Worte festgehalten hätte, wäre das in meinen Gehirnwindungen entschwunden.

von Pearla-Nixa @ 28.11.12

DER HAFTBEFEHL!
Kinder raus ausm Haus!
Ich denke, hm, so früh und dunkel und verregnet…ach legst dich noch bissl hin. :DD
Kaum lieg‘ ich, klingelt es Sturm. Hä? Am frühen Morgen oben an der Tür?
Quäl mich hoch, verzottelt, zersaust, im Schlumperlook und Socken mache ich vorsichtig die Tür auf.
POLIZEI! WIR HABEN EIN HAFTBEFEHL! KÖNNEN WIR IHREN AUSWEIS SEHEN???
Mein Herz, das rutscht in die Hose. Krieg einen kleinen Ausweis an die Augen gedrückt.
Dann werde ich wach. Wer sind Sie?
DIE POLIZEI!!!!
Ich gucke immer noch verwirrt, sage: ein Moment! Mache die Tür ein Stück bei, um im Flur zu meiner Tasche zu gehen, da drückt der Polizist die Tür wieder auf:
DIE BLEIBT AUF!
ZACK! Stehen beide bullenhafte mannsgroße Typen nun in meinem Flur und denke, wenn das Betrüger sind,
dann bist du am ARSCH!
Und gleichzeitig arbeitet es in meinen Hirnwindungen, was ich denn verbrochen hätte und überlege und überlege, aber mir fällt nichts ein. Ich habe nichts getan, bin ein braver Bürger!
Zitternd suche ich nach meinem Ausweis und finde den in meiner Panik nicht.
Die können mich doch nicht so in diesem Zustand mitnehmen, und meine Kinder???? Gedanken in Bruchteilen von Sekunden…da ist mein Ausweis.
Ich zeige ihm das. Dann zeigte er mir den Haftbefehl, sie suchen eine XXX YYYY .
WAS bin ich erleichtert. Eine Frau mit dem selben Nachnamen, die wohnt zwei Haustüren weiter, sage ich.
Die Polizisten entschuldigen sich, der andere, der sieht plötzlich ganz nett aus, lächelt schuldbewusst.
Tür zu! Kreislauf ab in den Keller und zittere wie blöde. Und rufe laut vor mich hin: Maaan!
Maaaaan!!!!! Müssen die mich so erschrecken, am frühen Morgen!

:)) :)) :))